Das Gestüt Welvert wurde in diesen Tagen zum Zentrum des inklusiven Pferdesports im Saarland. Vom 15. bis 20. Juni fanden hier die Wettbewerbe im Reiten und Voltigieren im Rahmen der Special Olympics Nationalen Spiele 2026 statt. Athletinnen und Athleten aus dem gesamten Bundesgebiet traten in verschiedenen Disziplinen und Leistungsstufen an – und zeigten dabei nicht nur sportliches Können, sondern auch, wie wichtig Vertrauen, Verlässlichkeit und Teamarbeit im Umgang mit dem Pferd sind.
Insgesamt nahmen 46 Reiterinnen und Reiter sowie 30 Voltigiererinnen und Voltigierer teil, begleitet von Trainern, Betreuern und Unterstützern – rund 400 Menschen, die diese Tage zu einem besonderen Erlebnis machten. Untergebracht waren die Pferde in eigens errichteten Stallzelten, rund um die Uhr versorgt und umsichtig betreut. Alles war durchdacht, professionell organisiert und getragen von großem Engagement – nicht zuletzt durch die Familie Bruch, die ihre Anlage für dieses inklusive Sportereignis zur Verfügung stellte. Auch Unterstützung aus dem regionalen Pferdesport trug zum Gelingen der Veranstaltung bei: So wurden unter anderem ein Dressurviereck sowie Hindernismaterial zur Verfügung gestellt.
Die Wettbewerbe sind in drei Leistungsstufen gegliedert: Während in Level C ausschließlich im Schritt geritten wird, umfasst Level B Schritt und Trab und Level A alle drei Gangarten – Schritt, Trab und Galopp.
Einer der Athleten war Jaycen Schlesinger (18) vom RFV Burscheid-Paffenlöh e.V. aus Monheim am Rhein. Der Spring- und Dressurreiter startete mit seinem Wallach Teddy im Level A. „Dabei sein ist alles“, sagte er – und meinte damit mehr als nur den sportlichen Wettbewerb. Für Jaycen, der mit dem Down-Syndrom lebt, stehen vor allem Gemeinschaft und Zusammenhalt im Vordergrund. Seit seiner Kindheit sitzt er im Sattel und begann im therapeutischen Reiten. Trotz motorischer Herausforderungen entwickelte er sich bis in den Leistungssport, reitet auch im Regelsport und wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem als Vize-Weltmeister und mit dem „Purpose Award“ für sein Engagement in den sozialen Medien. Bei den Special Olympics schätzt er besonders die Atmosphäre: „Hier treffe ich viele Freunde, wir feuern uns gegenseitig an.“ Die Verbindung zu seinem Pferd beschreibt er als enge Partnerschaft: „Wir sind ein Team.“ Der zwölfjährige Connemara-Wallach gibt ihm Sicherheit und Vertrauen – die Grundlage für seinen sportlichen Weg.
Auch Alexander Niklas (46) vom Reitsportverein Rüsselsheim e. V. aus Hessen erlebte die Spiele sehr intensiv. Er startete im Level C mit dem erfahrenen Deutschen Sportpferd Dinario 5, genannt „Dino“. Das 19-jährige Pferd bringt Turniererfahrung bis zur schweren Klasse mit – und vor allem die Ruhe, die Alexander braucht. „Dino ist unglaublich zuverlässig“, sagt seine Trainerin Lina Trautwein (22), die ihn als Head Coach begleitete. „Die beiden haben von Anfang an harmoniert.“
Für Alexander war jeder Ritt ein besonderer Moment. Bei der Klassifizierung wurde er für seine Leistung mit dem 1. Platz mit der Wertnote 8,2 belohnt – ein starker Einstieg. Nach seinem ersten Ritt flossen Tränen: Erleichterung, Stolz, Freude. Sein Ziel reicht über St. Wendel hinaus: die Teilnahme an den Weltspielen 2027 in Santiago de Chile.
Wie besonders diese Leistungen waren, bestätigte auch Richter Reiten FN Maurice Krüger. „Im Mittelpunkt steht – wie im Regelsport – die Harmonie zwischen Reiter und Pferd“, erklärte er. Doch die Atmosphäre sei eine andere: „Hier freuen sich alle füreinander, es ist weniger verbissen. Das Miteinander steht im Vordergrund.“ Besonders bewegend seien die Siegerehrungen gewesen: „Da fließen viele Freudentränen.“
Auch beim Voltigieren zeigte sich diese besondere Stimmung. Der saarländische Voltigierclub Homburg e. V. unterstützte ein Team aus Fulda mit Pferd und Longenführerin. Auf dem 15-jährigen Hannoveraner Wallach Tino wuchsen die Sportler über sich hinaus. „Wir können hier einfach so sein, wie wir sind“, sagten sie. Teamarbeit und Vertrauen waren spürbar – gegenüber dem Pferd und untereinander. „Es gab keinerlei Berührungsängste“, betonte Janina Kettner-Koch, Longenführerin vom Voltigierclub Homburg e. V. Für sie war von Anfang an klar: „Wir unterstützen die Spiele und stellen gerne unser Voltigierpferd zur Verfügung.“
Die Wettbewerbe reichten von Dressur und Springen bis hin zu Geschicklichkeitsprüfungen, ergänzt durch Einzel- und Teamwettbewerbe im Voltigieren. Bewertet wurden nicht nur Technik und Ausführung, sondern auch Fairness, Einfühlungsvermögen und die Beziehung zum Pferd. Unified-Wettbewerbe, bei denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam antraten, unterstrichen die Idee gelebter Inklusion.
Am Ende zeigte sich, welche Rolle Pferde im Sport spielen: Sie fördern Vertrauen, schaffen Verbindungen und ermöglichen Teilhabe.














